Home     |     Die Ausstellung     |     Texte     |     Kontakt/Impressum     |



Eine fantastische Himmelsreise - Särge aus Ghana

Särge aus Ghana

 

Was für uns auf den ersten Blick befremdlich wirkt und uns auch schmunzeln lässt, ist für das Volk der Ga in Ghana ein wichtiger Teil der Begräbniskultur geworden: fantastische Särge, bunt und mit viel Liebe zum Detail.
 
Vor mehr als 50 Jahren ist in Teshi, einem Fischerdorf an der Küste Ghanas, eine neue Begräbniskultur entstanden, die ein faszinierendes Spektakel in Form und Farben darstellt. Früher  wurden die Toten in Stoffe gewickelt und in ihrem Geburtsort begraben, aber jetzt
können die Verstorbenen ihre himmlische Reise auf ganz andere Art und Weise beginnen.

Einige Leute wollen über Land reisen, andere durch die Lüfte und wieder andere übers Meer. Mit der kreativen Eingebung eines Meistertischlers beginnt die noch immer lebendige Kultur Der Verwendung einzigartiger und bemerkenswerter Särge, in denen das Andenken an den Verstorbenen fantasiereich zum Ausdruck gebracht wird. Gegenstände , Tiere oder Pflanzen, die eine bedeutende Rolle im täglichen Leben des Verstorbenen gespielt haben, werden mit handwerklicher Präzision und viel Liebe zum Detail nachgebildet. Sie dienen als „Fahrzeug“ für die letzte Reise in himmlische Regionen, wo die Seelen der Verstorbenen mit denen der Ahnen vereinigt werden.

Obwohl der Gebrauch dieser  Fantasiesärge nicht in eine jahrhundertlange ghanaische Tradition eingebettet ist, kann seine realistische Formgebung auf eine tiefverwurzelte Auffassung über das Sterben und den Tod zurückgeführt werden. Die außergewöhnlich
 große Aufmerksamkeit, die in Ghana, aber auch anderswo in Afrika, den Begräbnisfeierlichkeiten gewidmet wird, findet in der Fürsorge und in dem Respekt vor der Welt der Ahnen ihren Ursprung. In der afrikanisch-animistischen Tradition ist die Verbindung mit den
Vorfahren von entscheidender Wichtigkeit. Das Bewahren von Verbindungen zwischen den Lebenden und den Toren ist wie die Verbindung zwischen der sichtbaren und unsichtbaren Wirklichkeit.
Bei den Ga, der wichtigsten Bevölkerungsgruppe im Umkreis der Hauptstadt Accra, glaubt man,  dass die einstigen Verwandten im Jenseits auf die irdische Existenz einwirken können.

Gesundheit, Erfolg und Fruchtbarkeit werden von den Ahnenbeeinflusst. Im alltäglichen Leben der Ga sind die Toten also allgegenwärtig. Sie werden von Generation zu Generation geehrt und gefeiert. Weder Kosten noch Mühe werden gescheut, den Übergang vom irdischen
ins himmlische Königreich zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen. Denn für die Afrikaner ist die Angst, von den Nachkommen vergessen zu werden, größer als der Kummer um den Tod an sich. Es ist also ratsam, den Verstorbenen bei seiner „Überfahrt“ denkwürdig zu begleiten und die Erinnerung an seine irdische Existenz auf diese Art und Weise zu ritualisieren.
So wird z.B. eine Vielzahl von Gegenständen (Waffen, Werkzeuge, Tabak, usw.) zusammen mit dem Toten begraben. Diese dienen nicht nur als Memorabilien, sondern dem „Reisenden“ auch als „Reisegepäck“, damit er nicht mit leeren Händen an seinem Bestimmungsort ankommt.

 

© Krombholz & Schnake GBR., Hohe Straße 15, 50129 Bergheim, Tel. 02238-942608